Vive l’Europe! #24 - … über die neue Einsamkeit
„Nova osamljenost“ je tema, ki se je iz krogov družbenih raziskovalcev v zadnjih letih prebila v medije in politiko. Ta vrsta osamljenosti, kljub številnim možnostim digitalnega povezovanja, narašča med mladimi in starimi. Škodljiva je za zdravje in za – demokracijo. Heinz Pichler se pogovarja z družboslovko Diano Kinnert, ki se posveča raziskovanju osamljenosti in ki je med drugim svetovala britanski vladi, kako se spopasti z epidemijo osamljenosti.
Das Phänomen der „neuen Einsamkeit“ erfordert ein Nachdenken, ob unsere streng nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtete Gesellschaft dem Sozialwesen Mensch noch gerecht wird. Warum fühlen sich immer mehr Menschen einsam? Inwiefern führen Digitalisierung und Globalisierung zu einer neuen Form kollektiver Einsamkeit? Welche Auswirkungen ergeben sich durch permanente Einsamkeitserfahrungen?
Warum fühlen sich immer mehr Menschen einsam?
Ich nehme an, weil die sozialen Kontakte immer mehr abnehmen, die sozialen Medien sind sehr präsent, aber die Leute, wenn ich mir das so anschaue, reden nicht mehr miteinander, sondern sitzen miteinander am Kaffeetisch und schauen auf ihre Handys.
Ich könnte mir vorstellen, dass gerade das Leben im virtuellen Raum uns diese Teilhabe, dieses Gemeinsame vorgaukelt, aber dann wirklich, wie wir schon gehört haben, viele Menschen ihre Zeit im virtuellen Raum verbringen, aber trotzdem einsam sein können. Sie glauben, sie sind Teil etwas Großen und Ganzen und sitzen alleine zu Hause. Ich glaube schon, dass das ein Riesenphänomen ist.
Ich gehe davon aus, dass die Kommunikation die persönliche immer mehr abnimmt und durch die sozialen Netzwerke sitzt man eher zu Hause und hat einfach keinen persönlichen Kontakt mehr und das kann dann zur Einsamkeit führen. Man ist zwar irgendwo mit der Welt verbunden, aber trotzdem nicht real und wenn sie das dann realisieren, wird das ziemlich schwierig.
Kann Einsamkeit auch ein gesellschaftliches Problem sein?
Ich gehe davon aus, dass es sehr gesellschaftlich indiziert ist, weil sich ja in Zeiten, das wissen wir, die sehr unsicher sind, in Kriegszeiten, Zeiten, wo sich die Gesellschaft verändert, dass sich die Menschen immer mehr zurückziehen, in ihren privaten Bereich zurückziehen, die Sicherheit im Privaten suchen und dass es dann dazu führt, dass die Menschen dann nicht mehr Teilhabe an der Gesellschaft oder sich dann in Gruppen organisieren und sich mehr zurückziehen und dann einsam werden.
Gibt es eine neue Form, eine neue Einsamkeit in unserer Gesellschaft, die sich unterscheidet von einer alten Einsamkeit?
Das ist eine interessante Frage. Ich denke gerade jetzt in Zeiten der Globalisierung und eben auch wo die sozialen Medien so stark vertreten sind, gibt es eine neue Form von Einsamkeit. Ich bin ständig von Menschen umgeben und ich bin ständig in irgendwelchen sozialen Netzwerken mit ich weiß nicht wie vielen Teilnehmern, wenn ich das so nennen darf, und ich sitze wahrscheinlich alle anderen daheim und bin einsam, ja.
Ist Einsamkeit ein gesellschaftliches Problem?
Meiner Meinung nach ist es ein sehr großes gesellschaftliches Problem. Ich gehe davon aus, dass die Depressionsrate sehr viel höher wird, diese Menschen sich einfach extrem zurückziehen und aber auch die Gesellschaft oft einmal gar keinen Zugang mehr zu diesen Menschen hat, um ihnen zu helfen. Also es ist wirklich meiner Meinung nach ein sehr großes Problem.
Warum fühlen sich immer mehr Menschen einsam?
Ja, die verbringen immer mehr Zeit vorm Computer, sind für sich alleine, haben keine sozialen Kontakte, sie gehen nicht raus offensiv und besuchen Leute, sondern sind nur mehr für sich allein mit den sozialen Medien und übers Internet kommunizieren sie und dadurch vermehrt sich diese ganze Einsamkeit.
Brauchen wir in Österreich ein Einsamkeitsministerium oder Anti-Einsamkeitsministerium?
Es ist sicher nicht schlecht, wenn sich Menschen damit auseinandersetzen, weil es offensichtlich ein Phänomen ist und dem man wahrscheinlich gut entgegenwirken kann, wenn man sich eben auch in einem Ministerium damit auseinandersetzt. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mir darunter nicht wirklich etwas vorstellen kann.
Ist Einsamkeit ein Problem älterer Menschen oder eher jüngerer Menschen?
Ich glaube tatsächlich, dass es da gar nicht so großen Unterschied gibt zwischen den Generationen. Man möchte meinen, dass viel ältere Menschen sehr einsam sind, aber ich kenne in meinem persönlichen Umfeld tatsächlich viele junge Menschen, die einsam sind. Die würden es vielleicht nicht zugeben, aber sie sind es.
Neben persönlichen Auswirkungen seien auch die gesellschaftlichen Folgen laut der Sozialwissenschaftlerin Diana Kinnert riskant. Denn, Gesellschaften zersplittern, der Radikalismus erstarkt und bedroht folglich das demokratische Gefüge. Es stellt sich die Frage: Wie könnte eine Anti-Einsamkeits-Politik aussehen? Und wie können in Zukunft Individualität und gesellschaftliches Miteinander konstruktiv vereinbart werden? Das Phänomen einer neuen Einsamkeit interpretiert Kinnert so:
Einsamkeit ist ja kein neuer Begriff, den kennen wir seit Jahrtausenden. Der ist mit dem Menschsein eng verbunden. Nur das, was wir unter „alter“ Einsamkeit verstehen oder was Einsamkeit bisher für uns war, war eine Verwaistheit. Also ich bin ganz alleine im Wald, ich bin ganz alleine, keiner ist bei mir, ich bin verlassen, ich bin verloren. Das hat eine Einsamkeit von Verwaistheit. Ich glaube, wir müssen heute zugucken, ob Einsamkeit nicht nur etwas mit der Quantität sozialer Kontakte (zu tun) hat, sondern auch mit der Qualität sozialer Kontakte. Denn heute sind wir überfrachtet mit Informationen, mit Ablenkung. Wir sind Generation Connectivity. Es ist viel zu viel los und trotzdem sind wir immer weniger verbunden. Und ich glaube, das ist eine neue Art von Einsamkeit.
Wieso ist Einsamkeit und Vereinzelung für (immer mehr) Menschen problematisch?
Naja, weil es seit Jahrzehnten Gesundheitsstudien, Gesundheitsexperimente, Evaluationen darüber gibt, dass Einsamkeit, und zwar als subjektives Leiden, wogegen man sich persönlich nicht mehr wehren kann – also ich suche sozialen Kontakt und finde ihn nicht – wenn das dauerhaft vorliegt, hat es gesundheitliche Konsequenzen. Es gibt eine schwedische Metastudie aus dem Jahr 2011, die besagt, dass die verfrühte Sterbewahrscheinlichkeit um fast 30 Prozent zunimmt. Das entspricht 15 Zigaretten am Tag. Es geht auf das Immunsystem. Es senkt die Heilungschancen bei Krankheiten, es führt zu Depressionen, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das ist am Ende ein Gesundheitsbefund, das viele Weltführer, also viele Regierungen, viele Präsidenten gesagt haben, das können wir so nicht stehen lassen.
Es stellt sich die Frage, wie könnte eine Anti-Einsamkeits-Politik aussehen? Sie haben die Premierministerin von Großbritannien beraten. Wie kann diese Einsamkeitswahrnehmung in die politische Agenda aufgenommen werden?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, ich habe vor einigen Jahren behauptet oder gefordert, wir brauchen alle Einsamkeitsminister und Ministerien. Und ich glaube, das braucht es nicht unbedingt. Aber was dahinter steht, ist, dass wir eben eine Politik führen, die Menschen eher auseinandertreibt. Also Menschen haben weniger Zeit und Druck, sich nicht mehr ehrenamtlich zu engagieren, den Verein zu hosten, den Verein zu organisieren. Das kostet eine Raummiete. Das können sich Menschen auch nicht mehr leisten. Manche Leute, die können sich ihre Mieten in Großstädten nicht irgendwie leisten. Die müssen zwei, drei Jobs nebenbei haben, haben dadurch weniger Zeit für soziales Miteinander. Also ich glaube, es braucht nicht unbedingt eine Antieinsamkeitspolitik für mehr Angebote, wo Menschen sich treffen können. Sondern es braucht eine Antieinsamkeitspolitik, die Menschen so entlastet, dass sie ihrem sozialen Bedürfnis, mit anderen Menschen zu interagieren, auch wirklich nachkommen können. Und das ist etwas, das braucht es nicht nur in einem politischen Haus, sondern das muss es als Kultivierungsziel in allen Häusern und in einer grundsätzlichen Administration geben.
Inwiefern führen Digitalisierung und Globalisierung zu einer neuen Form kollektiver Einsamkeit – vielleicht auch dazu ein Gedanke: Was kann eine kollektive Einsamkeit sein, beziehungsweise wie wird sie begründet?
Wir sprechen oftmals, und da sind wir immer noch sehr jung in den Diskursen, über Einsamkeit als persönliches Schicksal. Also wenn man dann Podiumsdiskussionen dazu hört oder Reportagen, dann kommt oft der Psychotherapeut, der Lebenshilfe gibt. Also es geht oft um die Einzelperson. Ich glaube, richtig gefährlich wird es, wenn es auf einer Makroebene stattfindet, also wenn es nicht nur eine einsame Person gibt, sondern wenn alle zueinander unverbunden sind, entsolidarisiert sind, die sich gar nicht als Gemeinschaft zusammengehörig fühlen. Und ich glaube, dass es Gesellschaftsbedingungen gibt, die genau das begünstigen. Das kann ein globaler Kapitalismus sein, der Menschen voneinander trennt, der in Konkurrenz denkt. Das kann eine Rationalisierung sein, also soziale Prozesse immer weiter runterzuschmelzen, weil man sagt: Es ist Zeitverschwendung, wir müssen effizienter sein. Und in der Digitalität sind es natürlich die digitalen Straßen, auf denen wir uns bewegen. Wir glauben oftmals, das ist ganz natürlich, da kann jeder jeden treffen. Was dann wirklich da stattfindet, ist, dass Plattformen davon profitieren, wenn sie Algorithmen schalten, die uns voneinander trennen und uns in Echokammern schicken, wo wir uns nur mit unseresgleichen beschäftigen - und das trainiert uns eine Beziehungsfähigkeit ab.
Eine ihrer Schlussfolgerungen als Anti- Einsamkeitsforscherin, ich hoffe, dass man diesen Begriff so verwenden kann, lautet: Gesellschaften zersplittern, der Radikalismus erstarkt und bedroht in der Folge unsere Demokratie. Wie begründen Sie diese Erkenntnis oder dieses Forschungsergebnis von Ihnen?
Einsamkeit ist ja nicht nur das Einsamkeitsgefühl an sich, sondern da spielen bestimmte Gefühle mit eine Rolle. Das bestimmte Gefühl, sich unsichtbar zu fühlen, nicht mehr zu zählen, sich nicht ausdrücken zu können, dass alles aneinander vorüberzieht. Und mit dieser Art von Vernachlässigung geht ein Gefühl einher, dass ich wieder zählen möchte. Und ich glaube, dass es soziale Bühnen braucht, dass es soziale Gefüge braucht. Und wenn Menschen sie in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr finden, wenn die Infrastrukturen derart zusammengespart oder auch kaputtgespart werden, dass die Kirche nicht mehr da ist, der Bus fährt nicht mehr, der Marktplatz ist nicht mehr da, sogar die Kneipe lohnt sich nicht mehr. Dann gibt es am Ende Rechtsextremisten oder Extremisten allgemein, die sagen: Bei uns in der Garage, da ist noch (ein) Nachbarschaftsfest, wir sind die Bürgerwehr, bei uns gibt es eine Bratwurst - und dann gehen Menschen dahin.
Also ich glaube, dass man bei vielen autoritären Bewegungen untersuchen muss, ob es tatsächlich die inhaltliche Zustimmung ist, oder eine identitäre Zustimmung, dass man sagt: Du bist bei uns willkommen, du zählst hier, wir haben dich noch nicht abgeschrieben. Und ich glaube, dass wir dieses soziale Bedürfnis unterschätzen. Und wenn die Mitte der Gesellschaft, die Demokraten, den Menschen als soziale Säugetiere nicht ernst nehmen und auf dieses Bedürfnis reagieren, dann tun es die Falschen.
Ihre Forschungen beziehen sich auf Deutschland – Expert_innen sprechen bereits von einer globalen, einer „weltweiten Epidemie“ – würden Sie dieser Aussage zustimmen?
Das ist tatsächlich noch unterforscht. Also man kann es wahrscheinlich nicht eins zu eins auf jede Gesellschaftsform übertragen. In einem kommunistischen System gibt es wahrscheinlich andere Probleme. In einem Dritte-Welt-Land wird auch nicht Einsamkeit das größte Problem sein, vor allem nicht in so einer neumodernen Ausrichtung, wie wir es jetzt hier in Westeuropa definieren. Aber ich glaube, ganz grundsätzlich sind die gesellschaftlichen Trends, die zu einer modernen Vereinzelung führen, welche, die auf der gesamten Welt stattfinden und dies auch zu einer globalen Pandemie sich beschreiben lassen. Und das zeigen die Beispiele, dass vor allem in anderen Regierungen - in den USA, in Kanada, in Australien - die Menschen viel fortgeschrittenere Politiken haben, als wir in Europa.
Sie haben jetzt nochmals die politische Ebene angesprochen, also eine Anti-Einsamkeitspolitik-Strategie. Welche Grundsätze müsste eine solche Politikstrategie beinhalten?
Man bräuchte Verbindlichkeit, man bräuchte Nachhaltigkeit. Man müsste Menschen, die aus einer ganz natürlichen Sozialität sich zueinander zugehörig fühlen, Familien, unterstützen, man müsste Schulen unterstützen, man müsste Demokratie möglich machen durch Graswurzelbewegungen, man müsste wahrscheinlich für alle möglichen Vereine, die es in der Gemeinde gibt, die Raummiete bezahlen, damit sie es nicht selber machen können.
In Großbritannien hat man sowas gemacht, da hat man Nachbarschaftsgenossenschaften gefördert, man hat irgendwie … bei Ärzten konnte man ein soziales Rezept verschreiben, also Menschen, die sich nach einer anderen Aufgabe, die sich nach anderen Menschen sehen, die werden unterstützt, dass sie in ehrenamtlichen Positionen aktiv sein können. Also das müssten die Grundwerte unserer Gesellschaft sein, dass wir solidarisch miteinander sind, dass wir uns füreinander interessieren, neugierig aufeinander sind, Verständnis füreinander erarbeiten wollen und damit verbindlich sind.
Wobei, es gibt ja meines Erachtens gewisse Interessen, die eigentlich von Einsamkeit und von einsamen Menschen, von individualisierten Menschengruppen usw. profitieren.
Einsamkeit ist im Grunde die Kehrseite von dem, was die größte Errungenschaft der Menschheit der letzten 200 Jahre ist. Und das ist es, dass wir gelernt haben, uns zu organisieren und mobilisieren. Früher gab es Herrschaftsverhältnisse, da hat einer über alle geherrscht und die alle konnten sich irgendwie nicht wehren. Dann haben wir gelernt, uns in Zünften, in Gewerkschaften, in Betriebsräten zusammenzuschließen, bei demokratischen Wahlen mehrheitlich zu bestimmen. Und das ist eigentlich der Sieg der Mehrzahl, der Sieg des Gemeinwesens, der Sieg der Anti-Einsamkeit: Dass man zusammen etwas erreichen kann.
Und heute ist es natürlich so, zum Beispiel in der Homeoffice-Debatte, dass in dem Moment, in dem ein Arbeitgeber froh sein kann, dass alle seine Arbeitnehmer getrennt voneinander sind, kann er sich dessen gewiss sein, dass die bestimmt nicht in der Teeküche beschließen, gemeinsam zu streiken. Das heißt, es gibt Profit und es gibt Profiteure und das sind diejenigen, die an den bestehenden Herrschaftsverhältnissen interessiert sind und die bewahren wollen. Weil in dem Moment, in dem alle anderen voneinander getrennt sind, dann kann es nicht so schnell umgekehrt werden.
Einsamkeit ist nicht nur ein Phänomen das ältere Menschen, sondern auch, und vielleicht versteckt, würde ich meinen, sehr viele junge Menschen betrifft, die es vielleicht gar nicht selber noch wissen. Aber dieses Einsamkeitsphänomen ist auch ein Phänomen, das junge Menschen betrifft, vielleicht dazu einige Gedanken?
Na ja, tatsächlich war das für uns alle eigentlich eine Überraschung, weil man dachte, der junge Mensch trifft zwölfmal so viele Menschen am Tag wie eine ältere Person. Die ist übers Handy mit allen möglichen verbunden. Man sagt über eine junge Generation, es ist die Generation Connectivity. Also jeder mit allem alle Zeit verbunden. Dating per App, Nachbarschaftshilfe per App, alles Mögliche funktioniert. Und trotzdem gibt es Studien auf der ganzen Welt - vor allem in Europa, auch aus den letzten Jahren vor Corona, nach Corona - dass junge Menschen sich einsam fühlen. Das heißt, das ist erst mal der Befund. Man muss erforschen, woran es liegt. Ich glaube, es hat eben was mit Digitalisierung zu tun. Es wird etwas mit der Polykrise unserer Zeit zu tun haben, dass junge Menschen sich überfordert fühlen von Brexit, von Donald Trump, von irgendwie autoritären Systemen, vom Klimawandel. Und wer sich ohnmächtig fühlt, der hat das Gefühl, dass er unter die Räder gerät. Der ist in seinem Selbstbewusstsein angegriffen. Der hat das Gefühl, er ist austauschbar in unserer heutigen Marktwirtschaft. Und deswegen glaube ich, dass viele junge Menschen miteinander verbunden sind, aber die Qualität ihrer Beziehung so ist wie das, was wir in unseren eigentlichen Kulturen, unserer Marktwirtschaft fordern: Nämlich flexibel zu sein, austauschbar zu sein, sich schnell zu verändern, spontan zu sein, unverbindlich zu sein. Und Unverbindlichkeit ist nicht unbedingt der größte Wert einer jungen, modernen Freundschaft.
Sie haben auch die Idee eines Einsamkeitsministeriums aufgeworfen. Was würden Sie empfehlen, was auf der europäischen Ebene passieren sollte? Eine gezielte Auseinandersetzung, ein Einsamkeitsminister, eine Debatte oder eine Enquete, oder ähnliches mehr? Vielleicht ein paar konkrete Ideen, die man der Europäischen Kommission da mitgeben könnte?
Also ein Anti-Einsamkeitskommissar, der wäre natürlich ganz gut. Man bräuchte ganz grundsätzlich mehr Forschung, irgendwie einen Finanztopf. Man braucht ein Haus, das sich dafür verantwortlich fühlt. Ich bin immer offen dafür, egal ob das ein kleiner Stadtrat ist, oder ob das die europäische Ebene ist, es muss keinen Namen geben. Also es braucht nicht dieses Haus dafür, aber es muss Verantwortlichkeiten geben. Und die sind meistens sichergestellt in dem Moment, in dem es einen Kommissar, einen Minister, ein Haus, einen Topf gibt. Wichtig ist, dass es eben Forschung gibt. Man muss das Thema enttabuisieren, man muss es zusammenführen. Es ist nicht nur ein mentales Gesundheitsthema, sondern es hat etwas mit den Grundpfeilern unserer Demokratie zu tun. Deswegen halte ich das für absolut notwendig, sich dem Thema anzunehmen, aber eben auch nicht versteckt irgendwie ausgelagert an eine Person, sondern es hat am Ende mit allen Politiken zu tun.
Vielleicht eine abschließende zentrale Botschaft oder Empfehlung, die Sie an unsere Hörer und Hörerinnen im Kontext des Themas neue Einsamkeit geben möchten, verbreiten möchten?
Ich glaube, dass Einsamkeit ein sehr fundamentales Thema ist, und zwar für überall dort, wo Gemeinschaft eine Rolle spielt. Und wir reden jetzt zum Beispiel darüber: Braucht es einen EU-Kommissar, braucht es ein Ministerium wie in Großbritannien? Also wir neigen natürlich dazu, offizielle Verantwortliche einzuladen und dann zu erwarten: Jetzt gibt es dieses eine Anti-Einsamkeitsgesetz, jetzt ist keiner mehr einsam. Ich glaube, was wichtig ist, dass jeder von uns seine Verantwortung versteht. Man kann am Küchentisch mit Kindern Gemeinschaft üben, Beziehungsfähigkeit üben. Man kann mit seinen Nachbarn oder seinem, von mir aus, autoritären Onkel in Kontakt bleiben, indem man ihm zuhört, indem man ihm Argumente gibt. Und so baut man Beziehungen auf, so pflegt man Beziehungen und so bleibt man in Kontakt.
Das Phänomen der neuen Einsamkeit ist ein Tabuthema und erfordert größere Aufmerksamkeit. Ein konstruktiver gesellschaftlicher Diskurs ist erforderlich. Empirische Forschung wäre nützlich um gezielte Aktivitäten zu setzen. Modelle und Anregungen des britischen „Einsamkeitsministeriums“ könnten wertvolle Impulse geben. Ein konkreter Maßnahmenplan der EU-Kommission, verbunden mit einer personellen Zuständigkeit und einer klar definierten Zielsetzung könnte die Debatte intensivieren. Vorrangig sollten jedoch die Mitgliedsstaaten eigenständige Aktivitäten setzen. Denn, die Hypothese lautet: Die neue Einsamkeit gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern auch das demokratische Gemeinwesen.
Sodobna osamljenost ni povezana le s količino socialnih stikov, temveč tudi njihovo kakovostjo. Vse preveč se dogaja, a smo vse manj povezani, je prepričana družboslovka Diana Kinnert. Obstajajo zdravstvene študije, ki dokazujejo, da ima trajna osamljenost zdravstvene posledice. Švedska študija iz leta 2011 navaja, da se verjetnost prezgodnje smrti poveča za skoraj 30 odstotkov. To je enakovredno 15 cigaretam na dan. Osamljenost zmanjšuje možnosti okrevanja po bolezni, vodi v depresijo, demenco ter bolezni srca in ožilja.
Osamljenost ni samo občutek osamljenosti. Gre za občutek, da se počutimo nevidne, da se ne moremo izraziti. In ta vrsta zapostavljenosti gre z roko v roki z občutkom, da želimo priznavanje lastne vrednosti s strani družbe. Ko so infrastrukture okrnjene ali celo uničene do te mere, da ni več cerkve, da ni več tržnice; takrat pridejo na vrsto skrajneži, ki povabijo ljudi v svoj krog, posvari naša sogovornica.
Osamljenost ni samo pojav, ki prizadene starejše ljudi. Mladi na dan srečajo dvanajstkrat več ljudi kot starejši, in vendar obstajajo študije po vsem svetu, da se mladi počutijo osamljene. Po mnenju Kinnert je to povezano z digitalizacijo in morda tudi s politično krizo našega časa. Mladi imajo občutek, da so v današnjem tržnem gospodarstvu zamenljivi. Med sabo so povezani, vendar je kakovost njihovih odnosov podobna kot pri zaposlitvi – zahteva se, da so prilagodljivi, zamenljivi, da niso zavezujoči.
Diana Kinnert meni, da bi na evropski ravni morali imeti komisarja ali drugo organizacijo, ki bi bila odgovorna za to temo. Kaj pa lahko storimo kot posamezniki?
Pomembno je, da razumemo svojo odgovornost, meni Kinnert. Skupnost lahko gradimo z otroki za kuhinjsko mizo, in skupaj vadimo veščine odnosov. Lahko vzdržujemo stik s sosedi ali avtoritarnim stricem in jim prisluhnemo. Tako gradimo odnose, jih vzdržujemo in ostajamo v stiku.
Kurzbiografie:
Diana Kinnert ist selbstständige Unternehmerin, Beraterin, Vortragende und veröffentlicht regelmäßig politische Kommentare und Kolumnen, hauptsächlich in deutschen Tages- und Wochenzeitungen. Sie studierte Politikwissenschaft und Philosophie sowie Sozialwissenschaften an den Universitäten Göttingen, Amsterdam, Köln und Berlin. Sie arbeitet aktuell für verschiedene Forschungsinstitute.
In ihrer politischen Arbeit konzentriert sie sich auf die Themenfelder Technologie, Demografie und Anti-Einsamkeit, Urbanisierung und Partizipation. Kinnert berät auch ausländische Regierungsstellen und Stiftungen, darunter das weltweit erste Anti-Einsamkeitsministerium unter der ehemaligen Premierministerin Theresa May in Großbritannien.
Zuletzt erschienen: „Die neue Einsamkeit. Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können“, Hamburg 2021. Weiterführende Informationen unter: https://kinnert.com/