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Albert Ayler Speaks

In der dieswöchigen Sendung möchte ich Euch einen ganz besonderen Schatz präsentieren.

Eine Reihe von Interview-Fetzen von Albert Ayler mit abgestimmter Musik abgeschmeckt.

So mancher mag die Musik Albert Aylers, seinen extrem vibrato- und obertonreichen Ton auf dem Tenorsax kennen. Seine hymnische Phrasierung vom Marsch bis ins absolut freie Spiel ist unverkennbar.

Und doch braucht es die eigene Sprechstimme um dem Phänomen Ayler nahe zu kommen. Eine Stimme, die ich mir so nie erwartet hätte. Die Mehrzahl der Freejazz-Titanen waren und sind für mich eher wortkarge, asketische und vergeistigte Typen.

Ayler hingegen hat derartig viel Begeisterung, Modulation und auch Humor in der jungen Stimme ( nicht vergessen, er wurde nur etwas über 34 Jahre alt….), dass ich persönlich ihn nach diesen Interviews irgendwie anders höre. Irgendwie menschlicher.

Beide Interviews, die auf 2 CD`s der unglaublich schön und liebevoll gemachten 10 CD-Box „ Albert Ayler- The Holy Ghost“ zu hören sind, wurden in Europa aufgenommen. Das eine in Kopenhagen 1966 und das zweite (von einem japanischen Reporter, der Aylers Ausführungen  mit regelmäßigen beglückten „Yeah, Yeah“-Ausrufen begleitet und schon allein ein Hineinhören wert ist) bei einer Veranstaltung in der legendären nahe Nizza im idyllischen St. Paul de Vence gelegenen „Foundation Maeght“ So mancher wird diesen unvergesslichen Ort kennen, an dem die Galeristen-Familie Maeght eine großartige Lokation und Sammlung (z.B.: Joao Miro und George Braque haben Monate vor Ort verbracht und gearbeitet; jeder Zentimeter des Anwesens samt Park atmet Kunst aus allen Poren) geschaffen hat. 1964 wurde die Lokalität , die beinahe ausschließlich der Avantgarde dieser Zeit gewidmet war, eröffnet. Hier auch die musikalische Avantgarde zu präsentieren, war natürlich genial. Und so ließ Albert Ayler einen Auftritt beim weltberühmten – für ihn aber bloß kommerziellen Jazzfestival Antibes sausen um hier für bedeutend weniger Geld spielen zu können. 4 Monate später sollte der hier so gelöst klingende Albert Ayler nach zwanzigtägiger Abgängigkeit tot aus dem East River gezogen werden. Die Umstände wurden nie geklärt.

Musikalisch sind Beeinflusser, Weggefährten und natürlich er selbst (als Musiker) zu hören.

Eventuell wird das nicht die letzte Sendung mit Interview-Teilen von Albert Ayler sein. Zu spannend sind seine Stories über Philosophisches, seine Musik und seine Freunde und Mitmusiker anzuhören.

Veröffentlicht am Freitag, 27. April 2018 um 10:26